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jeudi 28 mai 2015

Eines Tages werde ich den Mount Everest besteigen, der Gipfelsturm

Vorgeschichte:http://ift.tt/1LNMDsJ
Es geht raus aus dem Zelt, Richtung Start-Ziel Überdachung. Startschuss und los. Die ersten Schritte auf der 843,5 Meter langen Treppenrunde. Ein Stück davon wird mich Eddy begleiten. Mein höllischer Begleiter soll nämlich am Fuße der, auch Himmelstreppe genannten, Spitzhaustreppe auf mich warten und mir vor jedem Aufstieg ins Paradies kräftig einheizen und symbolisch beflügeln. Also eine ähnliche Wirkung entfalten wie eine bekannte österreichische Modebrause, allerdings ohne die Verklappungsreste der chemischen Industrie. Nach dem Start an der Spitzhauskappelle, folgt eine linke Spitzkurve auf die Spitzhaustreppe, dann geht es spitzig steil bergab. Einreihen in die Masse die sich hier aufstaut. Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_2070(1).jpg  Hits: 0  Größe: 70,2 KB  ID: 32841Tipp, tipp, tipp, immer 2 Stufen mit einem Schritt vernichten. Deshalb werden es zwar auch nicht weniger als 39.700 abwärts sein, aber gefühlt geht es so schneller das Tagesziel zu erreichen. Ich muss mich etwas umstellen. Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_2130(1).jpg  Hits: 0  Größe: 85,9 KB  ID: 32843Das Geländer ist dünner und alle paar Stufen kommt ein Zwischenpodest. Es geht am Torbogen des Weinbergs; 'Zum goldenen Wagen' vorbei, der frisch saniert aussieht. Kurz zuvor ist quasi vis-à-vis das Haus in dem Claras Familie wohnt. Auf der Terrasse ist ein Stuhl aufgebaut wo sie bereits ihren werbewirksamen Platz eingenommen hat. Am Ende der Treppe biege ich ein auf ein Stück Straße, das weiter bergab führt in einem leichten Linksbogen bis zur Wendemarke, bestehend aus einem japanischen Kleinwagen. Wie der Tanz ums goldene Kalb, werde ich ihm bis morgen noch möglichst oft die Ehrerbietung erweisen.

Zurück bei Clara überreiche ich ihr Eddy, was mit einem: „süüüsss…“ kommentiert wird. Fortan wird der kleine rote Kerl auf einem Gartenmäuerchen thronen, links und rechts flankiert von 2 weißen Stoffschildkröten aus Claras Inventar. Ein Sammelsurium bedeutungsschwangerer Signale an die Motivation. Da der Teufel, der höllische Schnelligkeit assoziiert, unterstützt von zwei Schildkröten, die sinnbildlich für Momo'sche Zeitdiebe stehen. Die widersprüchliche Kombination, aus Eile mit Weile blickt nun stundenlang auf ein buntes Laufvölkchen. Da wäre z.B. der singende Troubadour in rosa Leggings und passendem Oberteil, der, solange er auf der Strecke ist, das unterschiedlichste Liedgut anstimmen wird. Seine Fistelstimme verleiht dem fröhlichen Ansinnen eine mitunter schaurig schräge Note. Egal, der Zweck heiligt die Lieder und noch ist kein Kübelbök vom Himmel gefallen. Da er, im Gegensatz zu mir, auch sonst noch ausreichend Luft hat Weisheiten zum Besten zu geben, erfahre ich z.B. unfreiwillig die Geschichte zu 'Hier kommt Alex' und Kubricks Uhrwerk Orange. Eine der wenigen weiblichen Teilnehmer läuft derweil in Jeans, während ein anderer, im kurzen Triathloneinteiler im Tempo eines 100 Meter Läufers über die Stufen hetzt. Ist die Bezeichnung 'Extremlauf' der Wahl des Oufits geschuldet?

Zwischenzeitlich steht mein erster Aufstieg an und ich hänge in der Wand. Vielmehr am Geländer. Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5667(1).JPG  Hits: 0  Größe: 91,8 KB  ID: 32847Noch habe ich meine Fingerhandschuhe an um den Auswirkungen der Gleitreibung zu trotzen. Schließlich habe ich verweichlichte Bürohände. Ich habe mir von Anfang an vorgenommen einstufig, Step bei Step, an Höhe zu gewinnen. Wieder oben geht es an der Streckenverpflegung vorbei über die Zeitmessmatten. Piiiep, piiep, dieses Geräusch wird mich noch lange begleiten. Nach der 180° Wende ist ein Blick auf den großen Monitor möglich. 1.Runde, 10,52 Minuten. Weiter. Später werden sich die Rundenzeiten zwischen 11 und 12 Minuten einpendeln. Eine richtige Renntaktik habe ich mal wieder nicht. Das ist bei mir schon Tradition. Mein hoffentlich allseits präsenter „Big Brother“ empfiehlt eine Pause wenn das Bergfest erreicht ist. Davon bin ich noch 49 geschmeidige Treppenabgänge entfernt. Also, auf geht’s in die nächste Runde. 9:46. 9:11, 9:06, 8:47, 8:41....Noch ziemlich flott, doch von da ab lege ich Zeit zu. Wieder eine 9ner Runde, sappradie die Treppe und ich werden langsam warm miteinander.

Apropos warm. Ich habe nun doch zu dick aufgetragen. Nicht mit Klamauk, sondern mit Klamotten. Also Handschuhe aus und Laufjacke. Und das ganze ohne stehen zu bleiben. Nicht ganz ungefährlich, denn auf der schmalen Treppe, ausreichend für zwei durchschnittlich gebaute Treppenläufer, herrscht nun schon deutlich Gegenverkehr und es finden aberwitzige Überholmanöver statt. Nun also Hautkontakt zum Rundrohr des Geländers und damit bessere Kraftübertragung um das Körpergewicht hochzuwuchten oder abzubremsen. An jedem der Halter heißt es loslassen und wieder zugreifen. Die Reibungswärme spüre ich nun unmittelbar.Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5687(1).JPG  Hits: 0  Größe: 76,1 KB  ID: 32849

An der Strecke besteht für Zuschauer nur oben auf einer Plattform bei der Spitzhauskapelle, oder unten entlang der Straße, die Möglichkeit das Rennen zu verfolgen. Die Treppe selbst ist tabu. Der steile Weinberg neben der Treppe ist allenfalls für erfahrene Berggänger eine Option. Für die jeweils 88,4 Höhenmeter gibt es für die nächsten 24 Stunden nur einen Weg. Die Direttissima. Immer wieder passiere ich auch meinen Mann aus den (Wein)Bergen. Immer wieder laufe ich in die gezückter Kamera oder soll sogar kurze Statements abgeben. Allerdings habe ich keinen Nerv dafür das Tempo rauszunehmen oder gar anzuhalten. Ich will so viel wie möglich Runden sammeln ehe mich die Müdigkeit und die Stille der Nacht zermürbt. Aber es läuft weiterhing gut. Ich finde meinen Wohfühlrhythmus, laufe meine beständigen Rundenzeiten und solange es noch hell ist, nehme ich bergab die Stäffele im Doppelpack. Als es gegen 19:30 Uhr dämmert gehen die gelblichen Laternen an der Treppe langsam an. Ich bin etwas enttäuscht ob deren Leistung. Stellenweise sind die Stufenschatten irritierend. Als zudem stark kurzsichtiger Gleitsichtbrillenträger muss ich mich nun verdammt gut konzentrieren um mir abwärts keinen Fehltritt zu leisten. Lichttechnisch bin ich etwas verwöhnt gewesen von der gut ausgeleuchteten „Heimatstaffel“ mit ihrer hochmodernen LED Lichttechnik. Bevor sich Abgründe auftun passe ich meine Schrittfolge der Aufstiegstechnik an und nehme damit natürlich auch Tempo raus. Die Zeit bis ich einmal das „Murmeltier“ bei Günter gemacht habe wird länger, bleibt aber konstant die nächsten Stunden.Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5724(1).JPG  Hits: 0  Größe: 68,8 KB  ID: 32851Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5783(1).JPG  Hits: 0  Größe: 72,3 KB  ID: 32853 Und an Pausen denke ich noch lange nicht. Wozu auch. Günter wird als V-Mann eingesetzt. V wie Versorgung - und erhält alsbald seinen ersten Cateringauftrag. Ich brauche mehr Energie als die kleinen Häppchen der Müsliriegel und Bananenstückchen, die ich stetig am höchsten Punkt der Strecke hastig einwerfe. Also wird der Butlerdienst geschickt die leckeren Tütchen-Spachtelmassen am Walk-Inn bereitzustellen. Nachgespült wird an der Tankstelle am unteren Umkehrpunkt, die sich bei der nipponschen Reisschüssel auf vier Rädern befindet.

Langsam bricht die Nacht herein, Clara setzt einen großen Teddybär als Maskottchenvertreter auf ihren Stuhl mit einem Schild „Komme gleich wieder“. Der Betrieb auf der Treppe läuft derweil weiter, besser gesagt, geht weiter. Denn auch die Geschwindigkeit der schnellen Hirsche nimmt nicht mehr zu. Zeit zum kurz aufschauen. Schön der Blick auf das nächtlich beleuchte Dresden und das angrenzende Elbtal. Wenn auch nur kurz, denn es gilt alle Aufmerksamkeit der diffus beleuchteten Treppe, die gesenkten Hauptes, ein stetiges Auf und Ab erfährt. Ein Schuß ein Schrei..., nein nicht Karl May. Ein kurzes Feuerwerk erhellt die Szenerie vor meiner steitig steigenden Statur zusätzlich. Viel bekomme ich davon nicht mit. Weiter monotones Stufentreten. Ab und an Fehltritte, weggebügelt von den beiden „Hoovercrafts“ an meinen Füßen. Ich richte mich ein in der Nacht. In der Gewissheit, dass ein Pannenhelfer für mich da ist, wenn es nötig wird.

Mit der Sonne ist nicht nur der Tag, sondern auch das letze bißchen Wärme verschwunden. Längst bin ich froh an der textilen Hüllmasse mit niedrigem Wärmeduchgangskoeffizienten. Die Mehrheit der Teilnehmer trägt zwischenzeitlich einen verwandelten Kokon zur Schau, der Wärmespeicherenergie nachhaltig puffern soll.Die Anzahl der Läufer hat abgenommen. Einige sind wohl derzeit mit sich und ihren körperlichen oder moralischen Blessuren beschäftigt und haben sich dezent ins Basislager verzogen. Nur die Feuerwehrmänner, die in voller Montur, d.h. mit 16-18 kg Ausrüstung und Atemschutz als 100er Staffel angetreten sind, absolvieren schwer keuchend ihre Runde. Ihre Staffelkameraden, wartend auf ihren Einsatz, sorgen kontinuierlich für Stimmung. Erst um Mitternacht kommt wieder Leben auf die Strecke. Es starten die schnellen Dreierseilschaften die in einem Affenzahn die Treppe herunterschießen. Ein Wunder das es nur zu leichten Touchdowns kommt und keiner die Treppe rollend absolviert. Denn Seilschaft, d.h. heißt nicht, dass die Starter gesichert am Seil marschieren, sondern jeder darf im Wechsel mindesten 25 oder max. 50 Runden die Treppe unter die Füße nehmen.

Nicht nur die frischen Kräfte auf der Treppe haben noch Power in den Beinen. Auch ich habe mein Pulver noch lange nicht verschossen und verspüre die zweite Luft. Leider nicht an der Stelle wo sie am nötigsten für Vortrieb sorgt, sondern als Rückenwind, der begleitet von flatulenzenden Nebengeräuschen, den olfaktorischen Rezeptoren meiner Verfolger gewaltigt stinkt. Scheint so als würde der Magen nicht nur etwas grummeln, sondern bereits seismosgraphische Schwingungen auslösen. Die zum Glück, im Gegensatz zur Himalayaregion, ohne nennenswerten Folgen bleiben. Ich lasse mir von meinem Markentender etwas Hausmannskost in Form einer Nudelsuppe zureichen, liebevoll im Plastikteller serviert. Zum gemütlich hinsetzen und Suppenkaspar spielen fehlt mir die Muse, doch mein Laufkellner weiß Rat. Vergiß Knigge, schütt das Zeug in einen Becher und dann in dich rein, downstairs. Das riecht nach Patentrezept, oder gar Patientenrezept, damit endlich wieder innere Ruhe einkehrt in die Stille der Nacht.

Ich kann auch schon wieder kurze Statements in Günters Kamera geben. „Kamera läuft“. „Läuft's?“ „s'Läuft.“ Na bitte, das muss doch auch mal gesagt werden. Günter erinnert mich daran das bald Bergfest ist und ich eine Pause machen sollte. Solange es läuft? Wieso eigentlich? Lauscher auf Ignore-Funktion und weiter. 'Nix Krise, nix müde, fühl mich nix sch..., will weiter kreise.' 10:26 Stunden unterwegs. Obwohl ich ständig Wasser, Cola und Iso im Wechsel an den beiden Zapfstellen schnappe hatte ich seither keinen Bedarf eine Rücknahmestation aufzusuchen. Auch die eindrücklichen Verlautbarungen aus meinem tiefsten Inneren hatte ich zwischenzeitlich geflissentlich verdrängt. Nun den, früher oder später musste ich einen der geschmackvollen Restlessrooms, am unteren Wendepunkt, ansteuern und alle anstehenden Geschäftsabschlüsse tätigen. Leider war ich nur zur Hälfte erfolgreich. Also abwarten statt weiterpressen, während draußen schon die Presseabteilung, in Form von Günters aufgebauter Kamera, auf mich wartet. Mein Paparazzi hat keinen leichten Job. Um mir auf den Fersen zu bleiben und Rennfeeling einzufangen ist er gezwungen, neben der bequemen Treppe, über die Topographie der Steillage das Höhennivau auszugleichen. Gerade in der Nacht eine mitunter verzickte rutschige Angelegenheit. Mein Treppenlehrmeister hat zwar an eine Stirnlampe gedacht, aber sein Schuhwerk ist alles andere als hochgebirgstauglich. Ausziehen und auf Socken gehen. Dies würde die Haftreibung erhöhen. Eine geniale Idee aus Wigald Bonings Buch, die aber die Gefahr birgt sich in der eisigen Höhe die Zehen abzufrieren.

55 Runden. Ich erreiche den Gipfel des Mont Blanc, höhenmäßig. Pause ist weiterhin keine Option. Ich will im Rhythmus bleiben. Mir den Anblick gestrandeter Seelen und körperlicher Dysfunktionen ersparen. Keinen „Leichen“ begegnen müssen auf dem Weg zum Gipfel des Chomolungma. Die Stunden vergehen, der Treppentraffic nimmt wieder zu, der rosaroten Panter hat immer noch zuviel Luft übrig und trällert weiter durch die Nacht. Die Vögel beginnen es ihm, zur zwölften Stunde des Laufes, im morgendlichen Grauen nachzutun. Nochmals soviel Zeit auf der Treppe, für das was noch fehlt. Ich liege gut im Rennen, auf Platz 11 bei den Männern. Die beiden schnellsten Frauen sind deutlich schneller. Sollte ich das gleichmäßige Rundentempo halten können und keinen unnötigen Pausenquatsch benötigen, dürfte es gut klappen. So sieht das Günter zwischenzeitlich auch und verläßt nach 13 Stunden unentwegten Zuschauens, Mitzitterns (im wahrsten Sinne) und Kellnerns den garstig frostigen nächtlichen Schauplatz. 5 Uhr früh und mein Herz würde jetzt ein heißes Süppchen erfreuen. Also schnell noch vor, Günters einstweiligen Rückzug, im Vorbeilaufen bestellt, damit 'Just in Time' eine Runde später geliefert werden kann. Gleiches Prozedere wie zuvor geübt. Boah, schmeckt diesmal wie totes Meer. Eine zarte Salzkruste legt sich auf die Innenwandung meiner Sprechapparatur. Mir wird kreisläufig. Und das hat nichts mit der Rundenzahl zu tun die ich zwischenzeitlich absorbiert habe. Ich brauche jetzt blaugeflügelten Bullentrank, impliziert mein Wohlfühlego. Ob's was hilft? Egal, schließlich habe ich für psychologische Notfallmaßnahmen, nicht nur eine Dosis dieser Rachentinktur im Camp gebunkert. Also wie gehabt. Güüüüüünter. Ein Mann ein Wort, die Sache steht. Am gewohnten Platz. Ein kleiner Schluck nur und schon entfaltet der Zaubertrank seine magischen Kräfte. Ja, so einfach kann man(n) sich die Welt machen.

Günter gönnt sich also 3 Stunden Schlaf und ich mir bei der nächsten Kreiselei noch die Reste meiner Astronautennahrung, runtergespült mit den Resten des Flugbenzins. Das beobachtet eine Servierdame, die für die Bereitstellung der Goodies am Rundendurchlauf sorgt. Ob ich nicht ein richtiges Frühstück wolle, statt meines ungesunden Fraßes. Wie? Will die mich ein bißchen ärgern? „Nö“, sage ich erstmal:„dafür müsste ich extra ins Essenszelt“. Dort ist zwar das Paradies oraler Genüsse auf Erden. Aber ob ich da wieder rauskomme? „Sie würde mir was bringen“. Meine Ohren können es vor Begeisterung kaum glauben. Bis zum nächsten Gipfeltreffen habe ich ein Nutellabrötchen in der Hand. Das sind die Momente die man nicht so schnell vergißt. Die Helfer und die Stimmung an der Treppe.

Schon über 80 Runden. Die Sonne strahlt, es wird schon wieder recht warm. Günter ist auch wieder da und jede Menge Touris als Staffel auf der Staffel. Ein bißchen streßig, bei diesen unterschiedlichen Tempi und vielen Überholvorgängen. Nur nicht ins straucheln geraten. Meine neue bemutternde Assistentin hat mir zwischenzeitlich einen flüssiggehopften Elektolytnachtisch gebracht und Günter die Erkenntnis, dass seine Fabelzeit aus 2012 meinen heißen Atem spürt. Dank Rundumversorgung und Pausenverzicht habe ich mir ein dickes Polster für die 100 Runden, in 24 Stunden, erspart. Und sofern die Waden, auch weiter keine Trauer tragen, könnte ich weitere Runden sammeln, so sinniere ich nun freudig vor mich hin.

Dann komme ich ins Grübeln. Bin ich jetzt schon am Hillary Step? Sind bei Anzeige von 99 Runden, die 99 Runden gelaufen oder zeigt es mir den Beginn meiner 99 Runde an? Eben ist diese Anzeige nämlich passiert worden. Unten bei Clara kündige ich mich schon mal an. „Beim nächsten Mal hole ich mir meinen Zweig ab - und Eddy.“ Oben werde ich von Günter interviewt: „Klaus wie siehts aus.“ „Nächstes Mal komm ich, mach dich bereit“ rufe ich ihm zu. Der Zielsprecher begrüßt mich: „Hier kommt Klaus Mantel aus Fellbach von den Schauläufern. Aber Klaus, du bist kein Schauläufer. Du bist ein ganz Harter. Schauen wir mal wieviel Runden du absolvierst hast. Wenn ich es richtig sehe wäre das die 100. gewesen.“ Upps, da sollte ich wohl noch schleunigst meine Siegesaccessoires unten abholen. Günter frozzelt natürlich auch schon über meinen kleinen Rechenfehler. Also das Pflichtprogramm und die Kür ist durch, jetzt beginnt das Schaulaufen. Ab zu Clara und ehren lassen.Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5829(1).JPG  Hits: 0  Größe: 97,5 KB  ID: 32855 Eddy bekommt die Medaillie umgehängt und winkend mit dem weißen Kirschblütenzweig geht es triumphial nach oben. Viele der Treppenmitstreiter gratulieren mir. Gänsehautgefühl. Da oben werde ich gebührend empfangen. „Und hier der nächste Zieleinlauf. Für die Startnummer 64. Klaaaaauuuuuus Maaannnnntel“, intoniert der Zielsprecher in Axel Schulze Manier.

„Es ist nicht der Berg den wir bezwingen, sondern uns selbst“ In der jetzigen Phase, keine Phrase. Ich kann es wirklich nicht glauben und fassen. Günters: „Jetzt freu dich halt a bissle“ muss ich erst noch sacken lassen. Meine Emotionen finden ihren Weg einfach nicht nach draussen. Es erscheint mir zu unwirklich, dass ich das, was ich noch vor wenigen Jahren in Laufberichten fasziniert gelesen und für mich unerreichbar hielt, nun selbst erreicht habe. Günter's Kamera hält die wirren Gedanken in einer Momentaufnahme für ewig fest. Und wie beginnt man sein Manifest. Mit: „So“

Das Rennen auf der Treppe geht unterdes weiter. Die Bedingungen sind sehr gut für neue Rekorde. Und eigentlich verspüre ich auch noch Lust meinen Treppengenuß zu verlängern. Nachdem wir ausführlich geklärt haben, warum versehentlich die Fabelzeit meines Treppengurus vom Jünger geknackt wurde, begebe ich mich erstmals während des Rennens ins Basislager und versuche mich in dem Chaos zurechtzufinden. Später gestartete Staffelläufer haben mangels Platz ihre Ausrüstung irgendwie kreuz und quer zwischen meine unbenutzten Kisten geschoben. Beim Umziehen verliere ich den Überblick über mein Arsenal an Schuhen und Klamotten. Genervt taucht mein Kameramann wieder auf und will wissen ob ich mich schon hingelegt hätte. Endlich reiße ich mich zusammen, schnappe die kurze Büxs und die „Mondgleiter“ und beginne die Mission: Mehr Runden als Günni. 'Just for fun' geht es in die nächste Ehrenrunde. Allerdings nicht gemütlich, sondern mit der gleiche Ernsthaftigkeit was das Tempo betrifft. Mindestens 2 sollten es werden. Als die rum sind habe ich noch keine Lust auf den entspannten Teil des Nachmittags. Günter wird so langsam aber des „aktiven Nichtstun“ müde, das merke ich. Ist auch kein Wunder, irgendwann ist es auch genug anderen bei der Arbeit zuzusehen. Als ich unten am Fuße der Treppe den 107. Aufstieg beginne fasse ich den Entschluß Schluß zu machen. Irgendwann ist es auch mal gut und Schluß mit Lustig. Was soll ich bis zum vielleicht bitteren Ende weiterlaufen? Ich gebe also Günter ein untrügliches Zeichen, dass er auf seiner Logge erlöst ist. Die Uhr zeigt 21:40:28. Abzüglich der Pause von einer guten Stunde bin ich damit weit über 20 Stunden auf dieser Treppe spazieren gegangen. Dafür geht es meinen Beinen noch recht gut.

Endgültig Schluss also. Schnell die schweren Kisten geschnappt und den langen Weg bis zum Auto irgendwie geschafft. Selbst die Quartierstreppe stellt mich nicht vor ein unüberwindbares Hindernis. Nach einer zwangsweisen kalten Dusche geht es zum angenehmen Teil über. Warten bis zur Siegerehrung. Zuvor ehrfürchtige Fragen einiger Statisten über die Intention für diese Treppentortour. Für den Gipfelsturm auf den Mount Everest, gibt es eine einfache Antwort, die sinngemäß auch auf die Radebeuler Treppenlauf paßt: „Weil er da ist“ (George Mallory, am Mount Everest geblieben.).

Und was bleibt als Steigerung. Vielleicht das: 1. Treppenhaus Marathon Hannover | SPORTSLOVR Eddie, der nun seinen Platz auf dem Wohnzimmerschrank gefunden hat, blinzelt zu mit herab. Meinen Segen hast du.
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Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_2070(1).jpg  Hits: -  Größe: 70,2 KB  ID: 32841   Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_2130(1).jpg  Hits: -  Größe: 85,9 KB  ID: 32843   Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5667(1).JPG  Hits: -  Größe: 91,8 KB  ID: 32847   Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5687(1).JPG  Hits: -  Größe: 76,1 KB  ID: 32849  

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Eines Tages werde ich den Mount Everest besteigen, der Gipfelsturm

Eines Tages werde ich den Mount Everest besteigen, die Vorbereitung

In der Kürze liegt die Würze:

Mit Sir Eddy und viel Dusel,
ohne rotgefärbten Fusel,
die Treppe rauf und runter g‘wuselt,
bis die 100 Runden sind gefusselt.

Die Tafel zeigt nach 19 Stunden
Ich hab Sie jetzt die 100 Runden
Kurz gejubelt, Yippijeh, Hurra
doch wo ist der Zweig, der meine?
Oh je, Oh ha!
der ist doch noch unten –
beim Maskottchen der Clara
Das heißt der Runden nochmals Eine
ich spür nicht mehr die müden Beine.

Dann endlich der Triumpf - geschafft
Es dauert noch, bis ich‘s gerafft
Ganz oben auf dem Gipfel und zurück - nach Hause
Machen wir jetzt erstmals Pause.

Doch der Wettkampf dauert,
noch fast 5 Stunden lang,
der teuflische Begleiter lauert
dem Schweinehund wird‘s bang
Er nun kalt erschauert
weil die Beine „weiter!“ riefen
Bis zur Runde hundertsieben.

Und das ganze mit Glitter und Glamour, etwas verschnörkelt erzählt.

Jetzt auf „Anmeldung“ klicken. Klick! Was habe ich getan. So richtig glauben kann ich es nicht was mein rechter Zeigefinger da gerade angerichtet hat. Mt. Everest Treppenmarathon. Auf dieser Seite wollte ich doch nur mal kurz vorbeisurfen und schauen ob es den längsten Treppenlauf der Welt noch gibt. Würde ja irgendwann in mein Portfolio passen, dass mit der Bad Wildbader Sommerbergtreppe eröffnet wurde: http://ift.tt/1LNMAx5 und in einer weiteren Performance in 2013 http://ift.tt/1LNMAx7 und 2014 aufgelegt wurde. Dergestalt gestählt und immer auf der Suche nach neuen Meriten, initiiert von genialen Marketingmaßnahmen, landete ich 2014 auf der längsten Treppe der Welt am Niesen. Aber, was ist das schon. Der höchste Berg der Welt muss her. Dieser mediale Schachzug malträtiert seit Anbeginn meiner Treppenlaufvita mein Unterbewusstsein. Kleines Manko ist die unwiderrufliche Tatsache, dass für die erfolgreiche Abarbeitung dieses Must Have, ein nicht unerhebliches Defizit an physischen und psychischen Eigenschaften, noch nicht auf meiner Haben-Seite angekommen sind. Der einzige Grund meiner Übersprunghandlung liegt darin begründet, dass ein gewisser Wigald Boning auf der Starterliste gelistet ist. Diesen Nachtsportler, dessen Hörbuch mich, in Dauerschleife konsumiert, schon auf so manch langweiliger Autofahrt, Lachsalven absondernd, wachgehalten hat.

Jetzt war ich also drin. Aber mein Puls entspannte sich schnell wieder. Wo war ich eigentlich drin? Auf der Warteliste und dort auf Platz 73, ein Stück hinter Wigald, mit der 64. Nicht ganz richtig. Ich war der 73 der sich angemeldet hatte, für einen Lauf, der laut Homepage auf 60 Einzelstarter begrenzt ist. Ich war also zu spät. Eine realistische Chance Wigald, evtl. mit seiner Hamburg Marathon Krawatte in Radebeuls Weinbergen, live und in Farbe erleben können gab es nicht mehr. Wirklich nicht? Sollte ich hoffen oder bangen?

Eine Email einige Tage später erinnerte mich unbarmherzig an meine risikobehaftete Aktion einige Tage zuvor. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht die Teilnehmergebühr für den Treppenterror zu entrichten. So what? Wer sagt denn, dass 13 Leute vor mir bis April nächsten Jahres abspringen werden. Meine zaghafte Antwortmail an den Veranstalter, in der ich diesen Sachverhalt darlegte, wurde unmissverständlich mit der schaurig schönen Info: „Psst, Ich werde 70 starten lassen und deine Chance das du noch teilnimmst sind sehr hoch, da sich in aller Regel 5 – 8 Läufer abmelden“, beantwortet. Trotz dieser eindeutigen Warnung an meine Restvernunft beschloss ich Wigald diesmal mit meiner körperlichen Anwesenheit zu beglücken und nicht nur als virtuellen Gegner meiner Zielzeiten zu benutzen, für Läufe die er vor mir bereits gemeistert hatte. Wie z.B. Biel, wo er mir ein Jahr zuvorkam mit seiner Teilnahme. Diesmal war er mir also intellektuell auf der Treppe ausgesetzt, 100 Runden lang. Was für eine wahnwitzige Vorstellung. Wigald stalken, mit ihm auf der Treppe walken und stundenlang talken. Gemach, gemach. Denn um für dieses, für Herrn Boning wahrlich zweifelhafte Vergnügen, einer stundenlangen Dauerbeschallung vermeintlicher Kalauer auf dem Weg zum höchsten Punkt der Erde ausgesetzt zu sein, sollte ich meiner Ausdauer noch etwas Feinschliff angedeihen lassen. Vor allem dem maximalen Sauerstoffaufnahmekoeffizienten meines Lugenvolumens in dünner Höhenluft und die Leidensfähigkeit bei körperlichen Unbilden. Eine innere Stimme empfahl mir einen guten Vorsatz für das neue Jahr. Vergiss die Tempobolzerei auf der Rennstrecke, die mit der irren Hoffnung verbunden war, dass mir als Ü50 noch Einlaß zur U40-Party eines 10ner Festivals gewährt werden könnte. Ab sofort hieß es: Treppen, Treppen, Treppen.

Gut, dafür braucht es erst mal ein geeignetes Trainingsgerät. Die Suche nach einem Prachtexemplar dürfte in der Hauptstadt der Stäffele eigentlich kein Problem sein. Und schnell finde ich eine erste Möglichkeit, idyllisch zwischen Müllheizkraftwerk und Eisenbahnviadukt eingezwängt. Nun ja, Alternativen, die auf dem Heimweg nach der Arbeit schnell erreichbar sind, sind die so rar? Und dann - wie eine Vision taucht Sie auf. Nur unweit von meiner erstbesten Option führt sie malerisch hinauf in den berüchtigten Stadtteil Hallschlag. Die Römerstaffel, 160 Stufen ohne Zwischenpodest, mit Ausblick auf das Römerkastell und den Talkessel von Stuggitown - linker Hand flankiert von einem Weinberg. Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: Bild0694(1).jpg  Hits: 0  Größe: 213,1 KB  ID: 32825Viele schwache Stunden verbringe ich nun bei meiner neuen Geliebten, die mich atemlos macht. Immer wieder 2 Stufen gleichzeitig hochgehen, oben kehrtmachen und wieder 2 Stufen auf einmal runterspringen. Die linke Hand immer am Geländer. In Radebeul wird es die rechte sein, das ist nicht das einzige was anders sein wird. Denn statt 160, werden es 397 Stufen sein, die es pro Runde hoch und runter geht. Und statt maximal 3 Stunden wie im Training, werden es 24 sein. So lange wird dieses Jahr beim Treppenmarathon gewertet. Das heißt, wer gut drauf ist schafft mehr als die 100 Runden, die genügen um auf dem 8848 m hohen Dach der Welt anzukommen. Ich kann mit derzeit noch nicht einmal vorstellen wie ich dieses Ziel an einem Tag und einer Nacht schaffen soll. Schließlich war ich noch nie solange unterwegs. Ein absolvierter 12 Stunden Lauf, das ist schließlich bloß die halbe Miete.

Aber irgendwie gibt es bei mir immer Dinge, die man nicht Plan, sondern Zufall oder gar Dusel nennen muss. So auch diesmal. Ich weiß nicht ob ich überhaupt noch in den fraglichen Genuss einer Teilnahme komme und schaue gebannt auf die Entwicklung im Teilnehmerportal auf der Web-Site. Meine sonstige Community Präsenz zur Absonderung geplanter Großtaten wird dagegen auf den Wert Null gesetzt, mit Ausnahme eines längst verstaubten Gästebuchs auf der Seite, die vor ein paar Jahren von ein paar Freigängern aus Württemberg-Baden eingerichtet wurde. Kurz nach meinem Outing dort, antwortet mir einer: „ Mensch Klaus, wenn Du da noch reinkommst, bin ich an Deiner Seite!!*Gü“ Ich bin sprachlos. War das ernst gemeint. Sollte tatsächlich jener Günter, der mir letztes Jahr beim flüchtigen Treffen auf einem Wettkampf, nachdem ich im vom Niesenlauf und der längsten Treppe der Welt vorgeschwärmt hatte, lapidar antwortete: „Der längste Treppenlauf ist in Radebeul“. Insgeheim reifte schon damals der Entschluss. Irgendwann will ich auch den Mount Everest des kleinen Mannes besteigen.

Günter meint es ernst. Er will mich begleiten, zuschauen und unterstützen. Nun kenne ich zwar Günter noch nicht so gut, aber eins weiß ich instinktiv. Was Besseres hätte mir nicht passieren können. Günter hat die Treppe bereits 2-mal gerockt und gilt mir seit jeher als Vorreiter meiner Treppengier. Seine Filme über seine beiden Unternehmungen sind legendär. Vor allem mit dem Machwerk von 2012 haben meine Augen und Ohren schon unzählige Male sehnsüchtiges Verlangen nach Nachahmung erfahren. Mit Ausnahme des Hinterherziehen eines Traktorreifens, denn mir mein Treppenmentor gerne abtreten würde um Platz im Keller zu schaffen. Was dankend abgelehnt wird, denn noch habe ich kein Rad ab. Naja, angesichts meiner geplanten Kamikaze-Aktion kann nur ein verschwindend geringer Teil der involvierten Zivilbevölkerung die Motivation dieser konträr reziproken tiefenpsychologischen Intention teilen. Der erlauchte Kreis der Mitwisser wird daher auf einen Personenkreis begrenzt der offen ist für mannigfaltige körperlicher Selbstkasteiungen oder bereits einschlägige Erfahrungen läuferischer Askese vorweisen kann.

2012 hatte Günter in Radebeul seinen Sherpa Sepp zur Unterstützung und filmerischen Dokumentation. Nun wird er mich als mein Logistikpartner und Mentalcoach durch die Nacht bringen. Und die bewegenden Momente in Bild und Ton festhalten.Die Vorbereitung und die Organisation für die Himalayaexpedition kann ich nun beruhigt in die hilfreichen Hände meines Bergführers legen. Die strukturierte Planung logistischer Abläufe ist ja bekanntlich nicht so meine Stärke. Da ich zudem seit Sommer 2014 sehr viel Energie in die Erhaltung meines täglichen Zeitvertreibs zum Zwecke des Broterwerbs stecken muss, bin ich froh mich nur auf das Training konzentrieren zu müssen. Trotz aller täglichen Querelen gelingt es mir den Spagat zwischen diametralen Bedürfnissen, materieller - und ideeller Art, einigermaßen zu meistern. Sogar unter Einhaltung meiner TOP 1 der Treppen-Agenda: 'die Interessen der Familie haben Vorrang und sind nicht verhandelbar.'

Weitere moralische Unterstützung verschaffe ich mir durch bedeutungsschwangere Symbole, die mir am Tag X den beschwerlichen Weg zum Gipfel erleichtern sollen. O.K. Ich geb's zu, sie sollen insgeheim auch meiner öffentlichen Wahrnehmung dienen. Das erste dieser Gimmicks ist ein Lauf-Shirt mit dem Motto: „Eines Tages werde ich den Mount Everest besteigen (Edmund Hillary, Bienenzüchter), Ein guter Grund um mit dem Laufen aufzuhören (Wigald Boning, Nachtsportler)“. Beim meditativen Entspannen auf der Trainingstreppe kam mir eine teuflische Eingebung. Auf meinem ersten Ultra trug ich ein Shirt, das auf dem Rücken ein roter Teufel zierte, als eindeutiges Signal an meinem inneren Schweinehund. Ein Bild dieses Teufels ziert seither meinen Avatar hier im Forum. Dieser Kerl sollte nun greifbar werden und ich machte mich auf die Suche nach einem verfügbaren plüschigen Pendant. Wie es der Zufall so will. Du befindest dich in den unendlichen Weiten der virtuellen Welt und erfährst, dass jemand in deinem Ort sowas loswerden will. Wir verabreden uns auf neutralem Boden zur Übergabe. Als ich das Teufelchen mit dem Worten entgegennehme: „Ah, das wird mein Maskotten“ wird verwundert erwidert: „Ein Teufel als Maskottchen?“ Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: DSC01895(1).JPG  Hits: 0  Größe: 79,0 KB  ID: 32827Und schon habe ich ein neues Opfer für zusammenhangloses Vorschwärmen von etwas was bei läuferischen Laien eine Mischung aus fassungsloser Bewunderung und mitleidsvollem Blick zurück lässt. Im Prinzip eine Wiederholung der Reaktionen die ich schon an anderer Stelle erlebt habe. Nun gut. Wer mit dem Teufel einen Pakt eingeht sollte sich nicht wundern wen er ungläubiges Staunen hervorruft.

Die Zeit bis zur Treppen-Mission vergeht wie im Flug. Nach 161.712 Stufen und 27.066 Höhenmeter rauf und runter ist die Vorbereitung für das Treppendiplom abgeschlossen. Wigald ist Geschichte und sagt verletzungsbedingt ab. Aber nicht nur er. Jetzt habe ich die Nr. 64. Dies wird auch meine Startnummer sein und auch die von Eddy, so habe ich zwischenzeitlich meinen roten Partner genannt. Mein anderer Instructor steht auf die Minute pünktlich vor meiner Tür und unser gemeinsames Abenteuer kann beginnen. Bis kurz vor knapp hatte ich einiges an beruflichen Dissonanzen zu ertragen. Aber je länger die Fahrt dauert, umso gelassener werde ich ob der am kommenden Wochenende anstehenden sportlichen Herausforderung. Denn auf die Unterstützung von Günter, und Eddy konnte ich zählen, soviel war mir schnell klar. Und auch die Waden hatten noch ihren Teil Aufmerksamkeit abbekommen. Bei dem Physio, wo dereinst der Grundstein für meine Lust an sportlicher Leibesertüchtigung gelegt wurde. Die Seele war dank Yoga im Shavasana und nun waren ich - und mein großer Bruder im Geiste - unterwegs zu meinem bisher spinösesten Abenteuer. Und auch ein eigensinniges Navi das uns partout, die sicher reizvollen Umwege der ländlichen Provinz zeigen will, bringt uns nicht mehr ab vom Radebeuler Walk of Fame, dessen Berühmheiten am Gipfelkreuz der Spitzhauskapelle verewigt sind.

Ankunft im Quartier in Wahnsdorf, in der Pension Altwahnsdorf. Nomen est Nomen für ein aberwitziges Vorhaben das hier auf mich lauert? Noch bevor wir das rustikale Ambiente entern wird der Tatort aufgesucht und das Corpus delicti inspiziert. Was soll man auch sonst machen in einem Ort, in dem nicht mal die fehlenden Bordsteine hochgeklappt werden können. Eine Proberunde, um den Verlauf der Strecke zu lesen. Das genügt als Appetizer fürs Erste. Kräfte sparen. Aber ein paar Unentwegte trainieren noch. Oder schon wieder? Günter hat es zwischenzeitlich im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlagen. Daran ist aber nicht der Anblick der atemberaubenden Spitzhaustreppe schuld, sondern der Umstand mir bei geschlagenen 7 Stunden Autofahrt ausgeliefert zu sein und somit meinem Dauerfeuer Grimmscher Laufmärchen. Dieser Breitseite, mit seiner schon vorher geschwächten Stimme Paroli zu bieten, war ein Anliegen das von vornherein zum Scheitern verurteilt war.

Zurück zum Nachtlager. Unser Zimmer ist direkt unterm Dach, wohin ich meine 30 kg Sturmgepäck über die steile Treppenstiege wuchten darf. Klasse, das ganze Haus ist leer und wir bekommen das beste Zimmer für Treppenaffine, die ihre Leidenschaft bis zum Exzess führen wollen. Bin mal gespannt wie „the day after“ meinen atomisierten Waden dieses Abtrainieren schmecken wird. Der folgende Tag soll der seelischen Entspannung dienen, bevor die Anspannung die Oberhand gewinnt. Meine Lauf- und Günters Sprechorgane sollten dabei ressourcenschonend eingesetzt werden, damit das hier nicht in einer Mission Malässe endet.

Dresdens Kultur in der Schnellbleiche steht auf dem Programm. Nüchtern verträgt das keiner. Also rein in die Dorfbäckerei, Brotkultur erfahren. Und lesen und staunen. Dort hängt ein Plakat: '24 Stunden Extremsport in Radebeul.'Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5695(1).JPG  Hits: 0  Größe: 94,0 KB  ID: 32845 Hää, was bitte? Manno, ich wollte doch eigentlich ein anständiger Mensch bleiben der niemals vom rechten Weg abkommt. Und jetzt? Beabsichtige ich extreme Sachen zu machen? Abnormale Dinge zu tun? Die Dorfbevölkerung im Laden schaut schon so komisch. Werden die am Wochenende ihre Töchter im Haus einschließen, weil eine Horde Extremläufer das Örtchen Wahndorf besetzt? Fast entschuldigend bedanken wir uns für die unvoreingenommene Bewirtung und schauen das wir uns aufmachen ins Elbflorenz.

Einmal Sehenswürdigkeiten bitte. Die Dresdner Frauenkirche habe ich vor 25 Jahren als Schutthaufen gesehen. Scheint so als hätte der Aufbau Ost hier wirklich funktioniert. Klick. Klick. Klick. Wie zwei japanische Touristen klicken wir uns durch die Stadt. Günter hat seine Rolle als rasender Reporter, brüderlichem Ratgeber und wenn's denn sein muss, phrasendreschendem Trainer, ursprünglich nicht auf seinem Laufzettel für mich. Nein, eine Ausstellung in Dresden war der Aufhänger für seinen geplanten Trip. So ganz ohne Bezug zu der Radebeuler Treppe ist dieser aber auch nicht. Der Lauf, der nunmehr in die 11. Auflage geht wurde initiiert nach einer Ausstellung des Künstlers Yadegar Asisi über den Mount Everest. Im Gasometer von Leipzig sorgte der plastische Druck auf Leinwanduntergrund Der Everest als 360°-Panorama | Yadegar Asisi für die Idee dessen Höhe von 8848 m über eine geeignete Laufstrecke als Gipfelziel zu erreichen. Der schon damals bestehende Spitzhaustreppenlauf in Radebeul bot sich mit der Erweiterung auf 100 Laufrunden für eine Umsetzung an. Heuer stellt Asisi im Gasometer, Dresden in der Bombennacht 1945, aus. Keine leichte Kost. Die uns trotzdem hungrig macht. Mein Guide hat mal wieder eine geniale Idee. Direkt am unteren Ende der Spitzhaustreppe ist das Weingut 'Goldener Wagen.' Dort stellt sich heraus, dass Mitarbeiter die produzierten Weine auf dem herbstlichen Weinfest in meiner Heimat verkaufen, als Delegation unserer Partnerstadt Meißen. Wir nehmen einen Rosè der Hausmarke mit, der von der Steillagge stammt die ich morgen 100-mal hoch und runter treppeln will.

Der nächste Morgen graut und mir graust auch. Den Vormittag damit rumbringen, den Inhalt der beiden großen Plastikwannen zig mal auf Vollständigkeit überprüfen. Dann aufmachen zum Basislager. 4 Paar Schuhe werden in Reih und Glied aufgestellt. Ich entscheide mich mit den Hoka's das Getreppel zu beginnen. Und mich warm anzuziehen, denn es ist empfindlich kalt und windig draußen. Das Mottoshirt ist trotz Größe S sehr weit geschnitten. Ideal um es über das warme Langarmschirt und die Laufjacke zu ziehen. Um 14:30 folgt die Startnummernausgabe. Jeder wird persönlich namentlich vorgestellt, auch das Maskottchen Clara. Clara ist zwischenzeitlich nicht mehr das kleine Mädchen an der Treppe, aber der Kult um Sie und ihre Blütenzweige, die in der 100. Runde überreicht werden, wird weiter zelebriert. Die Nervosität steigt. Dann zur Wiese. Fotoshooting.Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5653(1).JPG  Hits: 0  Größe: 110,7 KB  ID: 32835 Der launige Sprecher reißt seine ersten Zotten. Das Gipfelkreuz steht zwischenzeitlich an seinem vorübergehenden Platz.Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5630(1).JPG  Hits: 0  Größe: 53,9 KB  ID: 32837 Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: DSC02068(1).JPG  Hits: 0  Größe: 58,1 KB  ID: 32839Messner hätte seine Freude, angesichts der Tatsache, dass dieses christliche Siegessymbol schon bald wieder abgebaut sein wird und für ein Jahr in den Katakomben des örtlichen Sportfachgeschäftes verschwindet.

Weiter geht es mit dem Rennen in Teil 2 des überlangen Laufberichtes
Miniaturansichten angehängter Grafiken
Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: Bild0694(1).jpg  Hits: -  Größe: 213,1 KB  ID: 32825   Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: DSC01895(1).JPG  Hits: -  Größe: 79,0 KB  ID: 32827   Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5653(1).JPG  Hits: -  Größe: 110,7 KB  ID: 32835   Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht  Name: IMG_5630(1).JPG  Hits: -  Größe: 53,9 KB  ID: 32837  

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Eines Tages werde ich den Mount Everest besteigen, die Vorbereitung